Donnerstag, 30. November 2017

Hand-Zügel-Gebiss-Pferdemaul. Vom Ton zur Kompostition

Im Laufe der Jahre wird mir immer deutlicher, wie sehr wir Reiterinnen und Reiter uns bewußt sein sollte, was der u.a. der Zügel wirklich bedeutet. Er ist das Band zwischen unseren Händen und dem Pferdemaul.
Damit übernehmen wir eine große Verantwortung, denn es sollte das Ziel sein, diese Verbindung fein und gefühlvoll zu pflegen.

In meiner Karriere als lizenzierter Parelli Instruktorin erlebe ich immer wieder, dass sehr oft das Vorurteil herrscht, dass Parelli Natural Horsemanship zwangsläufig gebissloses Reiten bedeutet, wenn es überhaupt mit Reiten in Verbindung gebracht wird.
Viele der Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer möchten ihre Pferde nicht mit einem Gebiss reiten. Sie verbinden damit etwas Negatives oder haben Pferde, die durch den unsachgemäßen Einsatz von Gebissen etwas Negatives erlernt haben.

Auch wenn es abgedroschen klingt, so fällt mir dazu immer wieder folgende Aussage ein: "Nicht das Gebiss ist schlecht, sondern die Hand des Reiters".
Es ist richtig, dass wir durch das Reiten mit Kontakt, bzw. die Kommunikation via Hand-Zügel-Gebiss-Pferdemaul eine hohe Verantwortung übernehmen. Dafür müssen Reiterin, bzw. Reiter und auch das Pferd bereit sein. Es ist also durchaus nicht verkehrt, damit zu warten, bis der Ausbildungsstand erreicht ist.
Damit erklärt sich von selbst, dass es weder für Reitanfänger noch zum Einreiten eine gute Wahl ist. Mein persönliches Ziel mit meinen eigenen Pferden und mit Schülerinnen und Schülern ist immer die Sensibilität des Pferdemauls zu erhalten, und damit die Kommunkation zu verfeinern. Ein Gebiss im Pferdemaul sollte als Hilfsmittel zur Erreichung von mehr Präzision und zur Verfeinerung genutzt werden und nicht als Kontrollwerkzeug werden.
Eine große Problematik ist meiner Einschätzung nach, dass Reiterinnen und Reiter zu früh und ohne Achtsamkeit mit den Hilfsmitteln Zügeln und Gebiss konfrontiert werden.
Dabei wird oft nicht das notwendige Bewußtsein vermittelt und auch nicht, dass es nebst der Hand und dem Zügel andere Möglickeiten gibt, mit dem dem Pferd zu kommunizieren, die der des Gebrauchs von Hand und Zügel unbedingt vorausgehen.
Das Resultat ist dann ein handlastiges Reiten, bzw. ein Reiten ohne Körperkontrolle.
Wünschen wir uns aber nicht einen zügelunabhängigen Sitz beim Reiten? Das können wir aber nur erreichen, wenn wir lernen, unseren Körper mit allen Facetten beim Reiten einzusetzen, der letztendlich sehr viel mehr Variationen bietet als die bloße Hand und der Zügel!

Zum Körper zähle ich jedes Körperteil und selbst wenn wir jetzt mal die direkte Verbindung zum Zügel und Pferdemaul -die Hand und die Arme- raus lassen, so bleiben der Kopf, die Kopfhaltung, die Blickrichtung, die Schultern, die Bauchmuskulatur, die Körpermitte, die Hüfte, die Oberschenkel, die Waden und deren Kontakt zum Pferdekörper, die Fersen und deren Winkel und damit die Kontaktvariation zum Pferdekörper, die Position der Beine, Der Winkel der Hüfte und nicht zuletzt die eigene Körperenergie.
Ich vermag mir gar nicht auszurechnen, wieviele verschiedene Kombinationsmöglichkeiten daraus resultieren. Verglichen mit ebenfalls vielen aber nicht annähernd so vielen Möglichkeiten die ich mit meinen Händen und Armen kreieren kann.

Was für eine Verantwortung, die wir uns auferlegen! Diese ist sehr spannend und es ist wichtig, dass wir kontinuierlich an uns selbst arbeiten, um diese unzähligen Kombinationen besser beherrschen zu können. Es bedeutet auch, dass das Ziel der Weg ist, denn es ist ein lebenslanges Selbststudium und Selbstreflektion.
Ich selbst bezeichne das Reiten mit Kontakt oder Anlehnung lieber als Reiten mit Hand-Zügel-Gebiss-Pferdemaul. Es ist viel mehr involviert als nur der Kontakt oder die Anlehnung.
Wir dürfen nicht vergessen, dass wir die Wirkung der Hand alleine durch den Weg von der Hand zum Gebiss potenzieren. Die Länge der Zügel ist somit eine Art Verstärker meiner Hand, die am Gebiss und letztendlich beim Pferdemaul ankommen.

Ich mache z.B. mit meinen Schülerinnen und Schülern gerne Handarbeit am Boden und beginne damit beim direkten Kontakt an den Gebissringen, die helfen sollen, die Reaktion des Pferdes zu fühlen.
Reiten mit Hand-Zügel-Gebiss-Pferdemaul bedeutet vor allem, das Fühlen zu verbessern oder zu verfeinern, denn es hat wie so oft mit Pferden nur sehr wenig mit Technik zu tun. Leider wird allerdings das Reiten mit Gebiss und Zügeln heutzutage oft genau darauf reduziert. Um es einmal sehr vereinfacht darzustellen: links ziehen zum Abbiegen links. Rechts ziehen um rechts abzubiegen und an beiden Zügeln ziehen, um anzuhalten, zurückzuhalten oder das Pferd rückwärts zu schicken.
In dem Fall werden Zügel rein auf ein Werkzeug reduziert. Das Pferd erlernt durch den Umgang mit dem Fokus Technik und Mechanik lediglich, dass der Kontakt vor allem Türen für das Pferd schließt und damit etwas Negatives. 
Auch wenn es sicher individuelle Präverenzen je Pferd an ein Gebiss gibt, so frage ich mich spätestens bei jeder Pferdemesse, wieso es so viele Arten von Gebissen gibt.
In unserer modernen Welt ist das Fühlen zweitrangig geworden und wenn es zum Partner Pferd kommt, wird der Punkt FÜHLEN viel zu wenig geschult und die Wertigkeit nicht ausreichend vermittelt.
Das (Neu-)Erlernen des Fühlens hat natürlich nicht nur Auswirkungen, wie ich das Hilfsmittel Hand-Zügel-Gebiss-Pferdemaul nutze, sondern wirkt sich generell auf unsere Wahrnehmung unserer Hilfen und unserer Kommunikation mit dem Pferd aus.
Mein Leitsatz: "Natürliche Hilfen vor künstlichen Hilfen". Und auch hier gibt es wieder unzählige und vielfältigere Möglichkeiten und Kombinationen von Körperenergie, Körpersprache und den Körper selbst einzusetzen verglichen mit Zügel, Gebiss, Gerte und Sporen.
Den Einsatz der künstlichen Hilfen müssen wir uns verdienen indem wir an einer verbesserten Kontrolle und Einsatz unseren natürlichen Hilfen arbeiten und dazu gehört wieder das Fühlen. Denn künstliche Hilfsmittel sind Verfeinungshilfsmittel und sollten den natürlichen Hilfsmitteln vorausgehen. 
Nicht auszudenken, welchen Wortschatz wir erlangen, wenn wir die Kombinationsmöglichkeiten von natürlichen und künstlichen Hilfsmitteln reflektieren, erlernen und einsetzen können. Aus einem Ton wird eine Tonleiter. Aus einer Tonleiter eine Melodie und aus einer Melodie eine Komposition.

Seatbuilder
Alle dieser erwähnten Konzepte können wir bereits verbessern, ohne zu reiten. Wie schon erwähnt nutzte ich dafür z.B. die Handarbeit, Bodenarbeit, Horsemanship aber auch unseren Seatbuilder um an den natürlichen Körperhilfen und dem Sitz zu arbeiten. Beim Reiten selber fließen ebenfalls Hilfsmittel ein, um die Hand-Zügel-Gebiss-Pferdemaul Kommunikation zu verbessern und auch hier gibt es sehr situationsnahe und hilfreiche Möglichkeiten durch Simulationen besser zu werden. 

In diesem Post finden sich verschiedene visuelle Beispiele von schönen Verbindungen. Ich empfehle nicht nur das Gefühl zu schulen, sondern auch das Auge. Virtuelle Aufnahmen und das Fokussieren auf den Moment von Hand-Zügel-Gebiss-Pferdemaul sind dabei sehr hilfreich.

Hand-Zügel-Gebiss-Pferdemaul -  Ein anregendes und intimes Gespräch zwischen Pferd und ReiterIn und nicht das Schwingen von lauten Reden und Monologen. 

Ich hoffe, dass dieser Post motiviert, die Reise von Hand-Zügel-Gebiss-Pferdemaul zu beginnen, bzw. zu verbessern. Denn diese Reise ist unglaublich spannend und birgt viele Überraschungen und Selbsterkenntnisse. Unsere Pferde werden es uns danken.

Mehr Infos, Termine oder Terminabsprache:

Klaudia Duif
Parelli Natural Horsemanship - Natural Lightness
Kurse, Beritt und Privatunterricht
Horsemanshipcenter - Pferdezentrum
 


Donnerstag, 23. November 2017

Weniger ist mehr. Teil 1 - On Line am Boden.

Ein Konzept, welches mich schon lange beschäftigt. Mit wenig viel erreichen. Das hat nicht nur zur Folge, dass wir die Kommunikation mit unseren Pferden verfeinern, sondern es wird uns gelingen, eine verstärkte Aufmerksamkeit unserer Pferde zu erhalten, denn wer hört nicht gerne und gut zu, wenn die Kommunikation auf ein Minimum reduziert wird.
Das bedeutet wie so oft, dass wir vor allem an uns arbeiten, denn meist sind wir mit unseren Pferden viel zu "laut". Damit meine ich nicht die Lautstärke, sondern die Effizienz unserer Kommunikation. Anstatt mit wenig viel erreichen ist es oft mit viel wenig erreichen.
Die Ursachen dafür sind vielfältig:

  • Wir sind unklar (kein Bild über das Ziel, den Weg oder den Plan haben).
  • Fehlendes Bewußtsein über unsere Körperenergie (zu wenig oder zu viel) und damit unangemessen kommunizieren. 
  • Ist das Equipment passend zu meinem Ausbildungsstand, dem des Pferdes und meinem Ziel?
Foto: Jessica Freymark - Estrela. Horsemanshipcenter
Unsere Pferde werden durch die unangemessene Kommunikation entweder ängstlich oder desensibilisiert. Nach meiner Erfahrung passiert vor allem Letzteres.

Den Weg zu gehen, dass eigene Körperbewusstsein zu schulen ist sehr spannend. Wieviel Energie  braucht mein Pferd in diesem Moment für eine bestimmte Aufgabe. Hilfreich dabei ist z.B. die Aufgabenstellung klar zu definieren und den Fokus nicht auf das Erreichen der Aufgabe zu richten, sondern darauf wie wenig es brauchte, um eine positive Reaktion vom Pferd auf dem Weg der Aufgabe zu erhalten. Teilschritte sind erlaubt, denn der Weg ist das Ziel. 

Immer wieder die eigene Körpersprache zu kontrollieren. Dazu gehört nicht nur das Equipment, sondern auch was meine Beine, Füsse, Arme und Hände in dem Moment machen.

Kurz aus sich raustreten und vorher ein echtes visuelles Bild zu definieren, wie das Ziel und wie auch das Energiebild aussehen sollte, sich einmal von außen betrachten. Bildlich gesprochen eine Momentaufnahme vom eigenen Ergebnis zu machen, sich selbst kurz von außen "fotografieren". 
Nur so habe ich eine genaue Kontrolle darüber und kann mir überlegen, wie der Weg dahin aussehen könnte.

Atemübungen sind ebenfalls sehr hilfreich, um ein Energiebild zu definieren. 

Wir dürfen einfach nie vergessen, wie sensibel diese wunderbaren Lebewesen mit Energie und ihrem Umfeld umgehen. 

Damit dieses Konzept noch deutlicher wird, hier eine Beispielaufgabe.
Ziel wäre es, das Pferd am Boden aus dem Halten in den Schritt zu fragen. Dabei sollte es so aussehen, dass das Pferd sich scheinbar durch Gedankenaustausch mit dem Menschen in Bewegung setzt. 

Das Ziel ist damit definiert und der Anspruch recht hoch. Vor allem an uns, denn idealerweise setzten wir unser Equipment nicht ein und bewegen unsere Füsse erst, wenn unser Pferd losläuft. 
Als Ausgangsposition würde ich eine entspannte Grundhaltung einnehmen. Um das Pferd nun zum losgehen zu bewegen ist es zunächst wichtig, dass ich mich konzentriere und damit auch meine Energie. Mein Körper sollte nun von einer entspannten Grundhaltung zu einer angespannten Körperhaltung wechseln. Gleichzeitig fokusiere ich meinen Blick in die Richtung in die mein Pferd loslaufen sollte. Tiefes Einatmen hilft dabei genauso, wie sich vorzustellen, die aufgebaute Energie nun in der Körpermitte zu sammeln um die von dort aus in die Gliedmaßen zu senden. Den größeren Teil in den richtungsweisenden Arm und Finger und den kleineren Teil danach in die Hand, die den Stick führt um diesen effizient als Phase 4 einzusetzen. Falls mein Pferd nun bereits Anzeichen zeigt, sich ebenfalls bereit zum Losgehen zu machen, würde ich eine Pause machen. Das bedeutet, sehr bewußt wieder in eine entspannte Grundhaltung zurückzukehren um gemeinsam zu entspannen (ausatmen), bevor ich die Übung wiederhole. Damit beginnen Pferd und Mensch sich zu synchronisieren und harmonisch abzustimmen. In dieser Übung kann ich das soweit steigern, bis mein Pferd beginnt, loszulaufen. 
Nach oben sind keine Grenzen gesetzt und so kann ich das steigern, bis aus dem Halten z.B. ein Angaloppieren wird. 
In Parelli Worten gesprochen wäre das ein Yoyo Game auf einem hohen Niveau mit dem Ziel der Verfeinerung

In diesem kleinen Beispiel wird denke ich bewußt, wieviel Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung hier notwendig ist -egal ob ich mich an- oder entspanne und alles, was dazwischen liegt-. Man kann sich vorstellen, dass dabei auch Details wie Blickrichtung (Fokus), Seilgewicht, Seillänge, Handhaltung, usw. eine große Rolle spielen. Aus Details werden essentielle Zutaten. Deshalb empfehle ich, eine simple Aufgabe zu wählen, um sich auf das visuelle Bild und das Energiebild zu konzentrieren. 
Das Ziel ist letztendlich nicht die Aufgabe selbst, sondern die Harmonie zwischen Pferd und Mensch; in dem Fall am Boden. Keine Angst davor haben, Fehler zu machen, denn das Bewußtsein über Fehler ist wichtig, um etwas zu ändern und zu verbessern. Ohne Fehler findet kein Lernen statt. 

Auch wenn diese Art der Aufgabenstellung ab Parelli Level 3 oder höher Sinn macht, so ist es doch hilfreich auch für Anfänger, dieses Bewußtsein zu verstehen, um es später umzusetzen. 
Es macht unheimlich Spaß, dieses Körperbewußtsein zu nutzen, um mit wenig viel zu erreichen. Es macht scheinbar simple Aufgaben spannend und herausfordernd und wir erreichen ein neues Maß an Harmonie mit unseren Pferden.

Ich wünsche Euch viel Spass bei diesem Konzept und bei der Umsetzung mit Euren Pferden, damit aus wenig viel wird.
Im nächsten Teil gibt es weitere Informationen zu dem Konzept, dann im Sattel.



Montag, 21. August 2017

Jungpferdestart - Viel mehr als nur Einreiten


Bei jungen Pferden wird einem das bewusst, was auch bei älteren Pferden eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Es geht nicht um Pferdetraining.
Spielerisches Lernen klingt wirklich toll aber wie kann ich meinem jungen Pferd diese Unbefangenheit des Lernens vermitteln? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Indem wir selbst an unserem eigenen Horsemanship feilen und das mit erwachsenen, bzw. erfahrenen Pferden. Also zunächst von Pferden lernen, bevor wir das Pferd lehren.
Junge Pferde lernen um ein Vielfaches schneller; natürlich auch das, was mir vielleicht nicht möchten, dass sie es lernen. Deshalb ist so wichtig, dass wir die nötige Erfahrung und das Wissen mitbringen, bevor wir versuchen, junge und unerfahrene Pferde auszubilden. 

Eines meiner persönlichen Highlights bei jungen Pferden sind die vielen ersten Male und da ist es umso wichtiger, dass es eine Win-Win Situation für unsere Pferde und für uns gibt. Auch hier gilt dies auch für erwachsene Pferde und ich hoffe und wünsche mir, dass Ihr als Parelli Studentinnen und Studenten genauso süchtig nach den ersten Male mit Euren Pferden seit, wie ich es bin.
Bei jungen Pferden sind diese neuen Erfahrungen für das junge Pferd viel offensichtlicher wie z.B. das erste Mal in den Hänger gehen, das erste Mal ein Pad tragen, das erste Seitwärts, usw. Mit mehr Erfahrung seitens der Pferde und uns werden wir differenzierter: Das erste Mal in den Hänger gehen mit Phase 1 und entspannt im Hänger verbleiben können.
Das erste Mal ein Pad tragen und dabei von rechts satteln. Das Pferd kann stillstehen und entspannt sich beim Gurten.
Das erste Seitwärts auf Abstand mit Takt und Entspannung.
Differenzierter heisst, nicht auf die Aufgabe als solche zu fokussieren, sondern auf die Einstellung unserer Pferde zu der Aufgabe. 
Durch diese Differenzierung können ganz tolle erste Male auch mit unseren erwachsenen, erfahrenen Situationen entstehen.

Im Level 1 und 2 liegt der Fokus mehr auf die Aufgaben, während es ab Level 3 mehr um die Einstellung zu der Aufgabe geht und das nicht nur bei unseren Pferden. Das setzt voraus, dass wir einen Plan haben, das Wissen und die Fertigkeiten haben, diesen Plan umzusetzen und in der Lage sind, die gewünschte Einstellung zu erkennen. Junge Pferde auszubilden ist jenseits von Level 4. Das bedeutet, dass es um die Aufgabe geht UND um die Einstellung der Aufgabe.
Da ein junges Pferd unerfahren ist, ist es um so wichtiger, dass wir die notwendige Erfahrung mitbringen. Auch für den Fall, wenn es vielleicht mal nicht entsprechend Plan verläuft, damit wir eine Alternative anbieten können, ohne unseren Plan zu verlieren und doch wieder mit einer Win-Win Situation enden und unsere Pferde die Session nicht als Training wahrnehmen. 

Es geht um Prinzipien und Konzepte, die hoffentlich nicht erst in dem Moment zum Tragen kommen, wenn wir das erste Mal aufsteigen und das Pferd "einreiten". Spätestens jetzt wird klar, dass es bei Parelli JUNGPFERDESTART und nicht Einreiten heißt. Prinzipien und Konzepte vermitteln wir bereits am Boden und nehmen sie später in den Sattel. Eben viel mehr als nur Einreiten!

Dazu fehlt mir speziell ein Pat Parelli Zitat ein oder besser gesagt zwei Sequenzen aus einem Zitat: "...Prior and Proper Preparation Prevents P-Poor Performance..." und "...Practise does not make Perfect, only Perfect Practise make Perfect...". Wer das ganze Zitat lesen möchte, sollte sich nach den 45 Parelli P's erkundigen. Absolut empfehlenswert.
Diese beiden Stellen sind vor allem mit jungen, bzw. unerfahrenen Pferden unglaublich wichtig: "Eine fundierte Vorbereitung ist alles und sorgt dafür, dass die Ausführung nicht armselig ist" und "Nicht das Üben alleine ist für Perfektion verantwortlich, sondern das korrekte Üben".

Ich hatte mit meinem eigenen jungen Pferd Ludo das unglaubliche Glück, dass er als 1,5 jähriger Absetzer zu uns kam und ich so mir und ihm die Zeit geben konnte, Konzepte und Prinzipien am Boden zu etablieren um ihn so als Reitpferd vorbereiten zu können. Vor einer Woche war es soweit und es sollte sich zeigen, wie fundiert diese Prinzipien und Konzepte bei Ludo etabliert sind, denn Sam Caporn (Lizenzierter 4-Sterne Parelli Instruktor und Horse Development Specialist aus Australien) unterstützte mich beim ersten Ritt und übernahm das erste Aufsteigen und den ersten und zweiten Ritt.
Das erste Aufsteigen für den 3-jährigen Ludo ohne Sattel war traumhaft und auch der erste Ritt und Folgeritte waren harmonisch und für ihn und für ReiterIn keine unangenehme Überraschung.
Und so war der Start als Reitpferd für Ludo einfach eine Fortsetzung der Konzepte und Prinzipien am Boden die nun im Sattel weitergeführt wurden und werden.

Mein ganz bescheidener Wunsch für junge Pferde wäre, dass alle Pferde einen solchen unspektakulären ersten Ritt bekämen und so kann ich allen Jungpferdebesitzerinnen und Jungpferdebesitzern nur empfehlen, sich Hilfe von einer Person zu holen, die dieses erforderliche Wissen, die Erfahrung und Fertigkeiten mitbringt.
Denn ein Jungpferdestart ist nicht irgendetwas, er ist alles!

Freitag, 18. August 2017

Natural Horsemanship und Floskeln. Heute: HARMONIE

Wenn etwas besonders viel Anklang findet, ist es leicht, dass Floskeln entstehen. Fast jede(r) macht ja  heutzutage "Natural Horsemanship". Das heißt aber nicht, dass Natural Horsemanship auf das Equipment reduziert werden kann. Vielen ist nicht bewußt, dass es ein seriöses Handwerk ist und wie bei jedem Handwerk gibt es Auszubildende, Gesellen und Meister. Horsemanship ist wie die Herstellung eines guten Käses: Es braucht Wissen, das Bedürfnis an sich selbst zu arbeiten, die Bereitschaft immer mehr Wissen aufzunehmen und nicht zuletzt die Fertigkeiten, die ich durch Üben verfeinert werden kann, damit daraus Erfahrung entstehen.
Spätestens jetzt wird einem klar, dass die Werkzeuge wichtig sind, aber nur einen geringen Teil für den Erfolg mit unseren Pferden und in unserer Horsemanship Reise ausmachen.

Wer ein bisschen weiter denkt, merkt schon, dass dies ein lebenslanges Studium ist, eine Kunstform. Eine, in der Abkürzungen oder "Schnelllösungen" keine Platz haben.

Am 3-Tage Kurs mit Sam Caporn, lizenzierter 4-Sterne Parelli Instruktor und Horse Development Specialist aus Australien beim Horsemanshipcenter nördlich von Berlin sollten wir Teilnehmerinnen erleben, was Harmonie mit unseren Pferden bedeutet. Egal auf welchem Niveau wir uns befinden oder anders gesagt, in welchem Stadium unserer handwerklichen Ausbildung wir gerade sind.

Wie so oft bei seriösem Horsemanship war die Technik der kleinste Teil. Sicher etwas, an dem jeder Horseman immer und immer wieder feilen kann und sollte, aber nicht der wichtigste Teil unseres lebenslangen Studiums. So ging es z.B. darum mit unseren Equipment effizienter und vor allem klarer umzugehen. Das klingt sehr einfach, zumal wir am Boden gerade mal von drei Bestandteilen sprechen: Knotenhalfter, Seil und Stick mit Seilchen. Aber etwas was simpel scheint, heißt nicht, dass es einfach umzusetzen ist.
Sam erklärte uns dazu den Begriff "positional truth". Ein Konzept, welches er mit Neil Pye (ebenfalls aus Australien) vor kurzem besprochen hatte. Der Begriff erklärt sich fast von selbst und gemeint ist das Bewußtsein, wo wir z.B. unser Equipment benutzen. Die Position hat eine Auswirkung auf unser Pferd -egal ob erwünscht oder nicht-. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns dessen bewußt sind. Denn sonst wird natürlich aus einer "positional truth" eine "positional lie".
Immer wieder die Ermahnung an sich selbst zunächst natürliche Hilfen wie Körperenergie und Körpersprache zu nutzen, bevor wir künstliche Hilfen (Seil, Stick) nutzen. Denn die künstlichen Hilfen sind letztendlich nur eine Erweiterung unserer natürlichen Hilfen, nicht aber vorrangig.

Alleine dieses Beispiel zeigt wieder einmal, dass es bei Parelli Natural Horsemanship vor allem darum geht, uns selbst zu schulen und nicht unsere Pferde. Sind wir bereit, an uns zu arbeiten? Dann sind wir auch bereit für Parelli Natural Horsemanship.

In den Savvys On Line, Liberty und Freestyle unterstützte Sam uns mit Konzepten. Konzepte sind levelübergreifend und so paßte jedes Konzept für jedes Pferd/ Mensch Paar, denn Konzepte sind erweiterbar und können auf ein neues Niveau gebracht werden. Wie auch eine Pferd/ Mensch Beziehung erweitert werden kann und das partnerschaftliche Niveau mit Wissen und Erfahrung angehoben wird. Je weniger Missverständnisse es bei der Beziehung mit unseren Pferden gibt, desto harmonischer ist unsere gegenseitige Beziehung.
So war es auch nicht verwunderlich, dass es darum ging, dass wir an uns, an unserer "positional truth" arbeiten.

Ein weiteres Konzept war unserer Körperenergie geschuldet. Wie bewußt gehen wir damit um. Sam definierte dies mit AKTIV (Active)- NEUTRAL (Neutral) - BEENDEN (Quit). Was davon möchten wir gerade vermitteln und sind wir uns bewußt, was wir davon vermitteln. Spätestens hier war den Teilnehmerinnen bewußt, dass das eigene Kommunikationsrepertoire reduzierter oder/ und weniger abgegrenzt oder/ und weniger einem Plan folgt.

Am Ende des Kurses war klar, dass durch die Einhaltung der Konzepte die Harmonie ein Ergebnis der klaren Konzepte ist. Es wurde also u.a. Harmonie erreicht, ohne dass an Harmonie "gearbeitet" wurde. Oder anders gesagt, für Harmonie mit unseren Pferden sind wir selbst verantwortlich.

Seriöses Horsemanship ist eben viel mehr als nur ein Knotenhalfter anzuziehen und Stick und Seil zu schwingen und ein seriöser Horsemanship Instruktor unterrichtet viel mehr als die sieben Spiele, ist selbst eine lebenslange Studentin/ ein lebenslanger Student, die ihr/ der sein Wissen und Handwerk ständig durch Erfahrungen erweitert und weitergibt.

Sandra Gockenbach und Klaudia Duif freuen uns darauf, diese erlernten Konzepte weitergeben zu können und freuen uns auf ein Wiedersehen mit Sam Caporn.



Donnerstag, 4. Mai 2017

50 shades of grey - Esel und Parelli

Die Grautiere beim Parelli Level 1 Einsteigerkurs bei den Eselfreunden e.V. in Paaren am 22./ 23.04. haben mir es echt angetan und so habe ich mich direkt in diese wunderbaren Tiere verliebt. Dank Christine Möller war der Kurs ausgebucht und die KursteilnehmerInnen haben sich auch von dem Wetter, welches mehr als durchwachsen war, nicht beeindrucken lassen.
Es war aus Eselsicht ein bunter Kurs von Zwerg- bis Großesel und wir hatten sogar ein richtigen Exoten dabei: Ein Islandpferd.
Esel sind eine große Herausforderung, denn sie vermitteln dem Ende vom Seil sehr schnell und deutlich, ob sie von uns beeindruckt sind oder nicht. Wenn wir sie dann beeindrucken signalisieren sie das viel dezenter und nicht euphorisch, wie es vielleicht ein Pferd tun würde. Deshalb ist es so wichtig, die Zeichen, eines Esels genau zu beachten, denn sie sind in jeder Hinsicht dezent, außer wenn es um das Ohrenspiel geht.
So ein Esel "tickt" einfach anders als ein Pferd. Es geht vor allem darum, zu verstehen, dass eine sehr solide Basis in den Prinzipien Spielen essenziell ist, denn dann waren sogar die ersten beiden Muster: Touch-it und Figur 8 möglich und die Paare zeigten sehr eindrucksvoll, wieviel Spass sie daran hatten.
Der Kurs war speziell für Esel zugeschnitten und so ging es um die ersten 3 Spiele und die ersten beiden Muster aus dem Level 1. Wer hätte gedacht, dass mit Konsistenz, Geduld und Kreatitvität sogar ein Zirkelspiel und auch das Verladen möglich ist.
Hier gibt es eine tolle Zusammenfassung von dem Kurs und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit den EselführerInnen und ihren tollen Grautieren!

































Montag, 27. Februar 2017

Eine LBE Horsenality mit schlechter Laune?

Alle, die mich kennen oder bereits Unterricht von mir hatten wissen, dass ich gerne erinnere, das Thema Horsenalities nicht dazu zu benutzen, Pferde in Schubladen zu stecken oder als Ausrede hinzu zu ziehen, wenn etwas nicht oder schwierig geht, bzw. eine Obession daraus zu machen.
Das passiert übrigens schneller als man denkt und ist mir auch schon passiert.

Ich vergesse nie einen Kurs mit Sam Caporn (4-Sterne Parelli Instruktor aus Australien) an dem ich assistierte. Es ging um eine Situation an dem die Studentin sich aufgrund des schnellen hin und her wechseln der Horsenality ihres Pferdes überfordert fühlte. Darauf hin fragte Sam die Studentin: "Verhält Dein Pferd sich partnerschaftlich?". Eine einfache Frage mit großer Wirkung, denn die Studentin verneinte die Frage und so konnte sie gemeinsam mit Sam die Situation einfacher einschätzen und Strategien finden.
Wann immer wir uns in diesem Thema Horsenalities verlieren, kann es helfen, sich diese Frage zu stellen oder auch, wenn wir nicht sicher sind, welche Horsenality mein Pferd hat oder gerade zeigt.

Das heißt nicht, dass das Erkennen von Horsenalities nicht wertvoll ist inkl. der Strategien per Horsenality. Einen Schritt Abstand zu nehmen kann jedoch helfen, zunächst auf das Fundament im Sinne von partnerschaftlichen Verhalten zu erkennen (ja oder nein) bevor wir uns die Frage der Horsenality stellen, die mind. 4 Antworten haben könnte (LBE, LBI, RBE, RBI und deren Kombinationen).

Meine kleine Superstute "Estrela" ist inzwischen eine sehr zentrierte Horsenality mit Tendenzen zu LBE. Entsprechend ihrem Niveau (Level 5) ist es wichtig, sie nicht zu langweilen und sie ist SCHNELL gelangweilt. Sie hat Tendenzen die Ohren anzulegen. Vor allem am Boden und mit mir in Zone 1.
Mir ist klar, was hier passiert ist und ich bin sicher, dass sich viele LeserInnen hier finden.
Ich habe sie am Boden gelangweilt und nur weil es ein LBE ist, heißt das nicht, dass wir wilde Spiele auspacken müssen. Das mag' bei einem unerfahrenen oder/ und temperamentvollen LBE funktionieren, bei einem erfahrenen, zentrierten LBE auf dem Niveau sind die Ansprüche an das andere Ende vom Seil schon höher!

Seit ca. 2 Wochen ist Estrela ein anderes Pferd. Natürlich habe ich meine Strategien angepaßt, es war aber immernoch nicht das Highlight und sie blieb griesgrämig. Ihre Ausdruck machte so richtig keinen Sinn und nebst den Ohren zog sie die Nüstern hoch. Sie war nie ein Pferd welches sich besonders gerne anfassen läßt, es sei denn sie ist rossig. Letztendlich deuteten die ganzen Signale allerdings weniger auf eine Horsenality Herausforderung hin als auf ein gesundheitliches Problem. Aufgrund ihrer früheren Haltung hat Estrela immer mal wieder schlechte Leberwerte, die wir dank Futterumstellung, Photonic Redlight und hömeopathischen Mitteln ganz gut in den Griff bekommen haben, aber eben noch nicht optimal obwohl vom Tierarzt gute Werte diagnostiziert wurden.

Wenn Du also bei Deinem Pferd bezüglich Horsenality in eine Sackgasse gerätst,  können Dir vielleicht die folgenden Fragen helfen:
  • Verhält sich Dein Pferd partnerschaftlich und wenn nicht, wie hilfst Du Deinem Pferd sich partnerschaftlich zu verhalten?
  • Ist Deine Strategie erfolgreich oder hast einmal eine andere (Horsenality) Strategie probiert?
  • Bist Du progressiv oder langweilst Du Dein Pferd?
  • Hast Du einen Plan und bist Du bereit davon abzuweichen um zu Deinem Plan zurückzukehren?
  • Entspricht Dein Spiel dem Niveau des Pferdes oder unter- bzw. überforderst Du es?
  • Hast Du gesundheitliche Aspekte abgeklärt?

Weitere Anpassung schienen im Fall von meiner Superstute Estrela endlich die erhofften Ergebnisse erzielen und Bilder, bzw. Filme zeigen mehr als 1000 Worte: Ein Traumausdruck aus verschiedenen Zonen.
 

Nach der Session:

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